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Last Samurai

Der Krieger, der Tradition und Moderne vereint

Bericht von catmother über Last Samurai
Veröffentlicht am 13.07.04 - 19:19 Uhr
Der Bericht wurde bisher 619 mal gelesen.

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Profil von catmother

Der Autor benotete das Produkt Last Samurai mit der Note: 1
Pro: bewegend, dramatisch, fantastische Kulissen, Musik, Darsteller
Contra: stellenweise recht grausam

Empfehlenswert? ja

Bericht:

Normalerweise wäre ich an jenem Wochenende in „Tatsächlich Liebe!“ gegangen. Aber mein Freund fragte, ob wir uns „The last Samurai“ ansehen wollen. Cruise als Samurai? Lächerlich! Und überhaupt, ich hasse diese Kampffilme à la Jackie Chan, in denen die Leute durch die Luft hüpfen, als gäbe es die Schwerkraft nicht. Und das sagte ich ihm auch so.

Aber dann hab ich doch Karten für diesen Film geholt, um mal (ausnahmsweise) auf seine Wünsche Rücksicht zu nehmen. Und ich sage euch, catmother hat sich schwer geirrt.





Die Geschichte

USCaptain Nathan Algren (Ton Cruise) ist ein Wrack. Seit er im Bürgerkrieg Blut, Tod und Indianermassaker erlebte, leidet er an Alpträumen und schwerem Alkoholismus. Nun tingelt der Säufer von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, macht dort seinen verblassenden Ruhm als Kriegsheld zu Geld, indem er WinchesterGewehre anpreist.



Eines Tages wird er zu einem Treffen seines ehemaligen Vorgesetzten Colonel Bagley (Tony Goldwyn) mit japanischen Geschäftsleuten gebeten, die ihm ein Angebot machen. Gemeinsam mit Bagley soll er die japanische Armee des Kaisers auf Vordermann bringen, die dann gegen rebellische Samurai unter der Führung eines Mannes namens Kastumoto ziehen soll.

Obwohl Algren Bagley haßt wegen dessen brutalen und rücksichtslosen Vorgehen gegen die Indianer, lehnt er nicht ab – weil die Bezahlung erstklassig ist.



Also macht er sich im Sommer 1876 auf in das unbekannte Land jenseits des Pazifik. Die Armee, die er ausbilden soll, besteht aus Bauern oder Handwerkern, die gerade mal mit einer Harke umgehen können. Und so ist es kein Wunder, daß es Ewigkeiten dauern wird, bis sie das Kriegshandwerk gelernt haben. Doch Omura (Masato Harada), einer der Berater des Kaisers und der größte Verfechter der technischen Modernisierung Japans, kann es nicht erwarten, Katsumoto zu besiegen und schickt Algren mit dieser schlecht ausgebildeten Armee ins Feld.



Und hier treffen Welten aufeinander. Zwar ist die Armee des Kaisers zahlenmäßig stärker und gegenüber den Samurai auch mit Gewehren ausgestattet, aber in einem Wald kommt es zum Desaster: Wie ein Sturm brechen Krieger auf Pferden durch die Bäume und fallen über die verängstigten Soldaten her. Schwerter blitzten, Blut spritzt, abgetrennte Gliedmaßen fliegen, dann macht sich Panik breit. Fast ganz allein bleibt Algren auf dem Schlachtfeld zurück und kämpft wie ein Löwe gegen ein Dutzend Samurai um sein Leben.



Sein Mut ringt selbst Katsumoto (Ken Watanabe) Respekt ab. Er läßt den schwer verletzten Mann am Leben und nimmt ihn mit in sein Dorf.

Hier wird der Amerikaner von Katsumotos Schwester Taka (Koyuki) gepflegt und zwangsläufig entgiftet, da es ja hier keinen Whiskey gibt.



Als er endlich wieder auf eigenen Beinen stehen kann, muß er sich dem Leben außerhalb der Hütte, mitten in den Bergen und seinen Feinden stellen. Doch Katsumoto überrascht ihn. Nicht nur ist der Samurai ein sehr gebildeter und belesener Mann, er weiß auch mehr über das Leben des Gegners als Algren über Japan.

Jetzt erfährt Nathan auch, daß der eindrucksvolle Mann, den er zuletzt tötete, Katsumotos Schwager und der Mann der Frau war, die ihn so aufopfernd pflegte. Und warum es eine Ehre sein kann, einem knieenden Mann den Kopf abzuschlagen.



Ganz allmählich wird er zum Schüler, nicht nur der eindrucksvollen Kampfkunst dieser Krieger, sondern auch der traditionsreichen Philosophie um Ehre, Mut und Treue.



Als der Winter vorbei ist, begibt sich Katsumoto nach Tokio zum Kaiser und läßt Algren gehen. Der muß sich nun entscheiden, auf wessen Seite er steht.





Darsteller

Sich Tom Cruise (Eyes Wide Shut, Mission Impossible) als Samurai vorzustellen, war im Vorhinein des Filmes schon ziemlich absonderlich. Doch er maßt sich ja nicht an, einen Japaner zu spielen, sondern einen angeschlagenen Mann, der durch die Umstände, in die er gerät, zu sich selbst gelangt und zu der Erkenntnis, daß es auch andere Auffassungen von Ehre und Mut gibt als die amerikanischen.

Irgendwo in einem Porträt habe ich gelesen, daß Cruise alle Stunts selbst macht, sogar von einem 70m hohen Felsen springt, wenn es sein muß. Letzteres ist zwar hier nicht der Fall, aber seine darstellerischen und sportlichen Fähigkeiten sind tatsächlich enorm und verdienen meinen absoluten Respekt.



Zu Ken Watanabe kann ich trotz einiger Recherche im Internet nichts sagen. Er wird vermutlich nur in Japan selbst bekannt sein. Der Mann ist wirklich beeindruckend als kompromissloser, weiser und loyaler Samurai und er bildet ein absolut imponierendes Gegengewicht zu Cruise. Bisher glaubte ich ja immer, Japaner besäßen keine Gesichtsmuskeln, aber bei ihm stehen die Gefühle doch ins Gesicht geschrieben.



Der einzig sonst noch bekannte Darsteller im Film ist Tony Goldwyn (Ghost – Nachricht von Sam, 6th Day), der wieder einmal den Fiesling spielt. Komisch, daß der Mann so oft auf unsympathische Rollen abonniert ist.





Filmkritik

Tja, da hat sich catmother aber wirklich schwer geirrt. Was für ein Film! Der so gar nicht den Vorstellungen entspricht, die man sich im Vorhinein, auch durch den Trailer, gemacht hat.



Dazu verleitet ja auch der Titel „The last Samurai“, den man automatisch mit dem Hauptdarsteller gleichsetzt. Dabei ist Katsumoto der eigentliche Held als letzter Verfechter einer uralten japanischen Kriegerkaste, die im 19. Jahrhundert nur noch Sinnbild einer untergegangenen Epoche ist, vom unmündigen Kaiser fallen gelassen, vom geld und machtgierigen Rat geächtet und gejagt. Die widersetzen sich dem allzu radikal angestrebten Wandel in Technologie und Wirtschaft, als auch der Werte und Traditionen. Samurai haben sich immer als Beschützer des Kaisers und des Landes verstanden. Dies bleibt ihnen nun verwehrt, denn ein hilfloser und beeinflussbarer Kaiser ist den Modernisten nun einmal viel lieber.



Ich kann nur sagen, das ist ein fantastischer, absolut grandioser Film. Und ich will euch sagen warum:



Handlung: Über den Inhalt habe ich ja schon einiges gesagt. Insgesamt ist die Handlung eine gute Mischung aus Action, Drama, Liebe und Historienepos. Es geht um Ehre, Mut und Treue gegen die Intrigen des Geldes und der Politik, und die Macht des Schwertes gegen moderne Kriegstechnologie.

Leider ahnt man als Zuschauer mit gesundem Menschenverstand, wie die Sache ausgeht. Hat man sich erst einmal darauf eingestellt, ist die ganze Tragik des Geschehens besser zu ertragen.

Mein Freund hat jedenfalls ziemlich geschnieft. Also, wer nah am Wasser gebaut hat, sollte sich Taschentücher einstecken.



Darsteller – Tom Cruise mag man oder man mag ihn nicht. Er hat in seinem Leben schon so viele unterschiedliche Rollen mit so unterschiedlichem Erfolg gespielt, daß man bei ihm nie genau weiß, wie er rüberkommt. Hier spielt er den gebrochenen, traumatisierten Mann, der sich vom Wrack zum Gefangenen, zum Schüler und schließlich zum loyalen Freund entwickelt, mit vollstem Einsatz und viel Überzeugungskraft.

Allerdings ist es auch Ken Watanabe zu verdanken, daß der Film keine OneManShow wurde. Mit diesem charismatischen Darsteller ist einen perfekten Gegenspieler, der ihn gleichzeitig fordert, aber auch ergänzt.



Kulissen – einfach atemberaubend. Obwohl ich ja eher ein Wassertyp bin, haben mich die phantastischen Landschaften, spektakulär von Kameramann John Toll ("Braveheart") eingefangen, überaus fasziniert. Gedreht wurde der Film übrigens nicht in Japan, sonder auf Neuseeland, das man wohl seit der „Herr der Ringe“Trilogie endgültig entdeckt hat.



Action – Ich bin, wie gesagt, kein Freund von Filmen, in denen selbstverliebte Asiaten die Zeit mit Kampfgeschrei und allerlei Kampfeskunst totschlagen. Aber hier haben mich die durchaus zahlreichen, dabei überaus präzise und kunstvoll choreographierten Szenen der SamuraiKämpfe überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil, sie gehörten einfach dazu. Daß es stellenweise ziemlich blutig und grausam wurde, gehört zum Thema. Zartbesaitete sollten sich jemanden mitnehmen ins Kino, bei dem sie sich verstecken können.



Die Musik von Hans Zimmer könnte dramatischer und eindringlicher nicht sein. Ich jedenfalls hatte nie das Gefühl, sie sei zu vordergründig oder aufdringlich.



Botschaft – Parallelen zu ähnlichen Filmen sind offensichtlich. Aber das tut der Aussage des Epos keinen Abbruch. Denn das Thema besteht nicht erst seit „Der mit dem Wolf tanzt“. Es geht um das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen, um die Annäherung und um Toleranz, um Verständnis und letztendlich um Freundschaft über traditionelle Grenzen hinaus.

Ganz tragisch wird hier der Abgang einer Kultur, eines Lebensstils dargestellt, dessen Traditionen mit dem Einzug von Technologie und Fortschritt leider zum Anachronismus verurteilt wurden. So ist leider der Lauf der Welt. Erst vernichtet man Werte, hinterher bedauert man es.





Meine Meinung

Edward Zwick huldigt mit diesem groß angelegten und bombastischen Historienepos einem Bestandteil der japanischen Geschichte und Kultur, den wir nur sehr unzulänglich kennen.

Auch wenn die ganz harten Kritiker einiges zu bemängeln haben mögen – ich finde, solche Filme machen Kino zum Vergnügen. Grandiose Darsteller, furiose Handlung und eine gute Komposition aus Drama und Action – das macht den Film zu einem echten Erlebnis.



Auf jeden Fall zu empfehlen.





Daten

USA 2003

Genre: HistorienAktionDrama

Original: The last Samurai

Regie: Edward Zwick

Musik: Hans Zimmer

FSK 16








Last Samurai

Einige Kommentare über den Bericht Der Krieger, der Tradition und Moderne vereint


Sehr hilfreich
Also meiner Meinung nach ein sehr gelungener Bericht! Alle Infos drin, die man wissen sollte und dann noch eine gute Gliederung mit eigenen Erfahrungen! Da vergeb ich heute doch glatt mal ein "sehr hilfreich"! Liebe Grüße, Sweety179
Sweety179
Sehr hilfreich
Das ist einer der Filme, den ich mir viele Male anschauen werde! Ein super Werk!! Und auch ein sehr gute Bericht - sehr ausführlich und informativ! LG Silke
tuimama
Sehr hilfreich
Einwandfreier Bericht.Der hat mir echt gut gefallen. Sehr informativ und vielleicht auch sehr lehrreich,mal schauen.Man liest sich, Danke. Gruss lautern
lautern
Sehr hilfreich
ja so ist das mit den Bewertungen, mal ist es so, dann mal wieder so, und wie wird es heute sein, mal überlegen heute ist es wohl ein sehr hilfreich!!
NightmareHB
Sehr hilfreich
sehr guter Bericht.. alles drin.. und das zu einem super Film
BabsS


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